Summary of homepage  Überblick  Kanonistik  Editions 

Mittelalterliches Prozessrecht

Offizialen    Durandus    Inquisition    Päpstliche Rechtssprechung    Editionen

Das Prozessrecht ist ein wichtiges Element des mittelalterlichen römischen und kanonischen Rechts. Hier geht es zuerst um die bischöfliche Richtern seit dem 13. Jahrhundert, die Offizialen. Besondere Aufmerksamkeit gibt es für Guillelmus Durandus, den Verfasser des Speculum iudiciale, eines enzyklopädisches Werk zum Prozessrecht. Die Inquisition hat ihre Geschichte begonnen als ein prozessuales Verfahren. Bei den päpstlichen Gerichtshöfen handelt es besonders um die Rota Romana. Eine Auflistung wichtiger modernen Editionen zum Prozessrecht bildet den Schluss dieser Seite.

Die folgenden Studien bilden eine Einleitung zum mittelalterlichen Prozessrecht:

Einleitung    Offizialen    Durandus    Inquisition    Päpstliche Rechtssprechung    Editionen

Offizialen

In West-Europa ernannten Bischöfe ab dem späten 12. Jahrhundert immer öfter einen Kleriker zum ihren Richter, der Offizial. Hier einige wichtige Forschungsarbeiten (siehe auch für Utrecht):

Einleitung    Offizialen    Durandus    Inquisition    Päpstliche Rechtssprechung    Editionen

Guillelmus Durandus

Speculum iuris des Guillelmus Durandus (um 1235-1296) verdient hier besondere Aufmerksamkeit. Der Verfasser dieser Enzyklopädie zum Prozessrecht stammte aus der Umgebung von Béziers in Südfrankreich. Er studierte kanonisches Recht in Bologna. Papst Clemens V. ernannte ihn zum auditor generalis an der Rota Romana. Durandus war 1274 beim Zweiten Konzil von Lyon. Nach weiteren wichtigen Funktionen erfüllt zu haben ist er zum Bischof von Mende ernannt geworden. Mehr Literatur zum Durandus finden Sie in einem Beitrag von Frank Soetermeer im BBKL.

Einleitung    Offizialen    Durandus    Inquisition    Päpstliche Rechtssprechung    Editionen

Die Inquisition und die "inquisitio"

Die Inquisition ist vielfach verurteilt geworden, aber auch genau so oft unzureichend verstanden. Ursprünglich war die "inquisitio" ein rein prozessuales Verfahren, mit dem ein Gerichtshof oder Richter selbst eine Untersuchung einleitete, ohne eine Klage ("accusatio") einer Prozesspartei. Ein Inquisitor arbeitete zuerst lokal, unter dem Gerichtbarkeit des örtlichen Bischofes. Es stimmt dass die Dominikaner sehr oft als Inquisitoren aufgetreten sind. Dies geschah allerdings erst nach dem Tod des Gründers Dominicus de Guzman, wie auch in einem Aufsatz von Guy Bedouelle unterstrichen wird. Auch Franziskaner waren öfter Inquisitoren. Die inquisitio ist rasch benützt geworden bei den Ketzerprozessen. Die päpstliche und besonders die spanische Inquisition sind spätere Entwicklungen. Die berüchtigte "Hexenhammer" (Malleus maleficarum) der Dominikanern Heinrich Krämer und Jacob Sprenger des späten 15. Jahrhunderts zeigt einen grausamen Fehlweg. Jean Duvernoy hat ein Überblick der Quellen zur Inquisition in der Languedoc angefertigt. Die Literaturangaben hier unten beziehen sich besonders auf die Dominikanern und den Languedoc. Es ist hier nicht die Rede von der Spanischen und Römischen Inquisition.

Einleitung    Offizialen    Durandus    Inquisition    Päpstliche Rechtssprechung    Editionen

Päpstliche Rechtssprechung

Viele Studien gibt es zur päpstlichen Rechtssprechung, besonders zu der Rota Romana. Hier ein Auswahl aus der Literatur:

  • Tangl, Michael (Hg.), Die päpstliche Kanzleiordnungen von 1200-1500 (Innsbruck 1894; Nachdruck Aalen 1959).
  • Göller, Emil, Die päpstliche Pönitentiarie von ihrem Ursprung bis zu ihrer Umgestaltung unter Pius V. (4 vol., Rom 1907-1911).
  • Lefebvre, Charles (Hg.), Antonii Augustini Praxis Rotae et Iacobi Emerix Tractatus seu Notitia Sacrae Rotae Romanae (Tournai-Paris, s.a. [1961]).
  • Lefebvre, Charles, 'Rote Romaine', Dictionnaire du Droit Canonique VII (Paris 1965) 742-771.
  • Herde, Peter Audientia litterarum contradictarum. Untersuchungen über die päpstlichen Justizbriefe und die päpstliche Delegationsgerichtbarkeit vom 13. bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts (2 Bde., Tübingen 1970).
  • Del Re, Niccolò, La Curia Romana (3. Aufl., Rom 1970).
  • Puza, Richard, Res iudicata. Rechtskraft und fehlerhaftes Urteil in den Decisionen der römischen Rota (Graz 1973).
  • Dolezalek, Gero, 'De rechtspraak van de pauselijke Rota in de middeleeuwen', in: Miscellanea Forensia Historica. Ter gelegenheid van het afscheid van Prof.mr. J.Th. de Smidt, J.M.I. Koster-van Dijk und A. Wijffels (Hgg.) (Amsterdam 1988) 113-122.
  • Dolezalek, Gero, 'Rota', in: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte IV, A. Erler und E. Kaufmann (Hg.) (Berlin 1989) Sp. 1148-1152.<
  • Dolezalek, Gero, 'Reports of the "Rota" (14th-19th centuries)', in: Judicial records, law reports and the growth of case law, John H. Baker (Hg.) (Berlin 1989) 67-99.
  • Hoberg, Hermann, Inventario dell'Archivio della Sacra romana Rota : (sec. 14 - 19), J. Metzler (Hg.) (Città del Vaticano 1994; Collectanea Archivi Vaticani, 34).
  • Schwarz, Brigide, ‘Statuta sacri causarum apostolici palacii auditorum et notariorum : Eine neue Quelle zur Geschichte der Rota Romana im späten Mittelalter’, in: Studien zum 15. Jahrhundert, J. Helmrath (Hg.) (2 Bde., München 1994) 845-867.
  • Schmugge, Ludwig, Kirche, Kinder, Karrieren. Päpstliche Dispense von der unehelichen Geburt im Spätmittelalter (Zürich 1995).
  • Bukowksa-Gorgoni, Christina, Causae polonae coram sacra romana rota : XV-XVII saec. : explanatio processuum et regesta documentorum (Rom 1995).
  • Gilomen, Hans-Jörg (ed.), Die Rotamanualien des Basler Konzils : Verzeichnis der in den Handschriften der Basler Universitätsbibliothek behandelten Rechtsfälle (Tübingen 1998).
  • Santangela Cordani, Angela, La giurisprudenza della Rota Romana nel secolo XIV (Mailand 2001).
  • Ingesman, Per, Provisioner og processer: den romerske Rota og dens behandling af danske sager i middelalderen (Århus 2003).

Einleitung    Offizialen    Durandus    Inquisition    Päpstliche Rechtssprechung    Editionen

Editionen

Im Nachdruck sind vorhanden:

  • Guillelmus Durandus, Speculum iuris (2 Bde., Basileae: Episcopius, 1574) - Nachdruck Aalen 1975.
  • Pillius, Tancredus, Gratia Libri de iudiciorum ordine, F.C. Bergmann (Hg.) (Göttingen 1842; Nachdruck Aalen 1965).
  • Roffredus Beneventanus, Libellus actionum [Super utraque censura cum questionibus sabbatinis] (Avenione 1500) - Nachdruck Turin 1968.

Moderne Ausgaben mittelalterlichen Werke:

  • Gross, C. (Hg.), Incerti auctoris Ordo judiciarius, pars summae legum et Tractatus de praescriptione (Innsbruck 1870).
  • Wunderlich, A. (Hg.), Anecdota quae processum civilem spectant (Göttingen 1841).
  • Quellen zur Geschichte des römisch-kanonischen Processes im Mittelalter, Ludwig Wahrmund (Hg.) (5 Bde., Innsbruck-Heidelberg 1905-1931; Aalen 1962).
  • Rossi, Guido, La Summa arboris actionum di Ponzio da Ylerda (Milano 1951).
  • Logan, D. (Hg.), 'An early thirteenth-century judge-delegate formulary of English origin', Studia Gratiana 14 (1967) 73-87.
  • Höhne, H. (Hg.), 'Pillii Medicinensis Summula de reorum exceptionibus', Ius Commune 9 (1980) 139-210.
  • ‘El ordo iudiciarius "Ad summariam noticiam" y sus derivados : contribución al estudio de la literatura procesal castellana’, Antonio Pérez Martin (Hg.), in: Publicaciones de la Universidad de Sevilla 8 (1982) 195-266, 10 (1984) 327-423.
  • Sorrenti, Lucia, Tra scuole e prassi giudiziarie. Giuliano da Sesso e il suo "Libellus quaestionum" (Rom 1999).
  • Ordo iudiciarius Sapientiam affectant omnes - ediert von E.C. Coppens, Nimwegen; in PDF-Format; auch erschienen in: Voortschrijdend procesrecht. Een historische verkenning, C.H. van Rhee, F. Stevens und E. Persoons (Hgg.) (Löwen 2001).
  • Lepsius, Susanne, Die Richter und die Zeugen. Eine Studie anhand des Tractatus testimoniorum des Bartolus von Sassoferrato (Frankfurt am Main 2003) - Studie und Edition.

Einleitung    Offizialen    Durandus    Inquisition    Päpstliche Rechtssprechung    Editionen


Oben  Summary of homepage  Überblick    ov - 5. Juni 2015