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Mittelalterliches Recht

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Das Mittelalter ist ein eintausend Jahren umfassendes Zeitalter, von um 500 bis etwa 1500. In dieser langen Zeitabschnitt gab es nicht nur deutliche regionelle Unterschieden, sondern es galten auch verschiedene Rechtssystemen. In Byzanz galt eine Form des römischen Rechts, das byzantinische Recht. Man studierte in West-Europa das römische Recht erst ab etwa 1100 wieder intensiv. Die katholische Kirche entwickelte ein eigenes Recht, das kanonische Recht, daß ab 1100 stark an Umfang und Bedeutung gewann.  Weiter gab es örtliches und regionales Recht, Gewohnheitsrechte.  Ein regionales Recht konnte auch für anderen Gegenden bindend werden; ein Stadtrecht konnte das Muster bilden für andere Städte. Ausserdem waren einige Rechte spezifisch an Personen oder Gruppen gebunden. Hofrecht und Pachtrecht galten für bestimmte Personen, während das Handelsrecht für und durch Kaufleuten entwickelt wurde ehe auch dort das römische und kanonische Recht Einfluss hatten. Das kanonische Recht gab wie das römische Recht die Möglichkeit sich mehr oder wenig absoluten Normen zu stellen.

Römisches Recht im Mittelalter

Seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts hat man die Wiedererlebung des römischen Rechts kräftig diskutiert. Dies war eindeutig verbunden mit dem Ansehen dieses Rechts und nationalem Stolz, sei es Stolz wegen der eigenen vom römischen Recht unabhängigen Entwicklung, sei es wegen der fruchtbaren Einfluss dieses Rechtsysstems des klassischen Altertums. Teilweise bleibt der Anfang dieser Neublüte noch immer verborgen. Die Frage was genau der Messpunkt dieser Wiedererlebung sein soll, oder die Behauptung es gebe eine ununterbrochene Kontinuität von der klassischen Spätzeit her, spielen hier eine große Rolle. Bei der Suche nach den "Wiederkehr" des römischen Rechts kann man die Zitate und Hinweise zum römischen Recht beobachten, die Menge und Datierung der römischrechtlichen Handschriften, das Unterricht an Rechtsschulen und anderen Beweise und Indizien des Studiums und Benützung des römischen Rechts. Eine richtige und klare Fragestellung ist auch hier notwendig um fruchtbringende Antworte zu erreichen: 

Auch gibt es das ungelöste Problem wie der vollständige Digestentext aus dem Nichts wieder auftaucht, und daß der Vulgattext der Digesten abweicht vom im Florenz verbleibenden Handschrift der Digesten, die wahrscheinlich aus dem sechsten Jahrhundert datiert, die sogenannte "Littera Florentina".

Im zwölften Jahrhundert hat man besonders in Bologna mit dem intensiven Studium der Digesten angefangen. Man studierte auch den Codex. Zwischen den Regeln und am Rande des Textes schrieb man Kommentaren in der Form von Glossen. Die Summa Codicis von Azzo gewann in der Praxis rasch großes Ansehen: "Chi non ha Azzo, non va a palazzo", wer Azzo nicht mit sich hat, bringt nichts im Palast. Aus den Glossen wachsten allmählich auch vollständige Kommentierungen. Im 13. Jahrhundert verfaßte Franciscus Accursius aus den fast einhunderttausend unterschiedlichen Glossen eine Standardglosse, die "Glossa ordinaria". Das Studium des kanonischen Rechts in Bologna hat vielleicht noch früher angefangen und war sogar aktiver. Die Rechtsschulen Bolognas standen am Anfang der bald viel besuchten Universität (1188). Damals entstanden auch juristische Abkürzungen, die man auch in den vom Fitzwilliam Museum Cambridge gezeigten illuminierten Handschriften findet. Anderswo weitere Auskünfte zu der Suche nach Handschriften des Mittelalters.

Nach ihrem Studium an Universitäten wie Bologna, Paris und Montpellier fanden Juristen Arbeit im Dienst von Bischöfen, Fürsten, Städte und Gerichte, oder sie werden selbst Dozent an diesen oder späteren Universitäten. Im 13. Jahrhundert entstanden neue Universitäten wie zum Beispiel Cambridge, Orléans, Toulouse, Padua, Neapel und Salamanca. Es ging im folgenden Jahrhundert weiter in Städte wie Köln, Heidelberg, Erfurt, Siena, Pisa, Perugia und Dublin, aber auch im Osten Europas: Wien, Prag, Krakau und Budapest. 1425 enstand die erste Universität der Niederlanden, Löwen, wo Nicolaus Everardi studierte (hier ein Gutachten). Im 15. Jahrhundert gelangen einige Neugründungen nicht, aber andere existieren heute noch.

Juristen waren Richter, Anwalt, Professor oder Gutachter. Oft schrieben sie Gutachten für Gerichte. Ihr Gutachten bildete die Grundlage zur richtlichen Entscheidung. Mittelalterliche Richter erkündeten ja oft nur ein Urteil, aber sie verfaßten es nicht. Besonders im Spätmittelalter fragten die Gerichte juristische Gutachten. Hier ein Beispiel eines Gutachtens. Um die Schein von Parteifreundlichkeit zu vermeiden, holte man sich Gutachten möglichst fern, sogar vom Ausland her. Es gibt auch mehr oder wenig "kollektive" Gutachten von juristischen Fakultäten (Fakultätsgutachten). Im Dickicht der vielen Rechte und Rechtsformen war das römische recht unentbehrlich als eine Quelle für absoluten Normen. Bekannte Juristen schrieben Kommentaren zu städtischen Verfassungen und Rechtsbücher oder waren mit deren Überarbeitung beauftragt.

Man bildete an den Universitäten nicht nur Juristen aus. Man studierte eifrig die alte Texte, die Glossen und neuere Kommentaren. Diese Aktivität leitete zu neue dogmatischen Beiträge. Der mittalterliche Doktrin hat vieles geleistet für den Verständnis von Rechtspersonen, ungerechtfertigte Erreicherung, Eigentum und Kontraktschliessung. Auch für das Prozessrecht (das romanisch-kanonisches Prozessverfahren), das Staatsrecht und die politische Begriffsbildung hat man Erneuerung gebracht. Beruhmte Juristen bei den "Romanisten" waren unter anderen Odofredus de Denariis, Jacques de Revigny, Cino da Pistoia, Bartolus de Saxoferrato, Baldus de Ubaldis und Paulus de Castro.

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Die Forschung zum mittelalterlichen römischen Recht

Im 18. Jahrhundert kamen die erste wirkliche Versuchen die Geschichte des römischen Rechts während dem Mittelalter zu erfassen. Früher studierte man römisches Recht für die Rechtspraxis oder aus antiquarischen Interessen. Beides zugleich geschah auch. Diese Versuchen der Aufklärung sind durch das erste große Überblickswerk, die "Geschichte des römischen Rechts im Mittelalter" (1821-1830) von Friedrich Carl von Savigny antiquiert geworden. Für individuellen Juristen und Universitäten, besonders für das 14. und 15. Jahrhundert, kann man allerdings mit Frucht ältere historische Arbeiten nützen. Seit Savigny gibt es eine ununterbrochene weitere Forschung. 

Die heutige Forschung hat einige wissenschaftliche Zentren. In Leiden gibt es zum Beispiel eine Tradition wo man besonders die Schule von Orléans und die Rechtssprechung in der frühen Neuzeit erforscht. In Frankfurt am Main ist das Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte ein großartiges Forschungsinstitut mit einer reichen Bibliothek und vielen Mikrofilmen. Weitere Forschungsgruppen gibt es in Rom und Catania. In Leipzig aktualisiert man mit einem Online Datenbank das "Verzeichnis der Handschriften zum römischen Recht bis 1600" (4 Tle., Frankfurt am Main 1972) von Gero Dolezalek und Hans van de Wouw, jetzt mit Inbegriff kanonistischer Handschriften.

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Literatur

Einführungen zur Geschichte des römischen oder "gelehrten" Recht im Mittelalter:

Zum Wiederkehr der Digesten kann man den folgenden Beiträge lesen:

Allgemeine Einführungen die sich nicht nur mit dem Mittelalter beschäftigen:

Ein wichtiges und provokatives Buch folgt ein Teil des römischen Rechts durch viele Jahrhunderten. Es erörtert das mittelalterliche Europa, das altniederländische, das englische und das heutige südafrikanische Recht. Kurz, es zeigt was römisches Recht faktisch bedeutet:

Enzyklopädisch im Umfang und Konzept, und auch deswegen kritisiert sind:

Die folgende rechtshistorische Zeitschriften widmen dem mittelalterlichen Recht öfter Raum:

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Oben  Summary of homepage  Überblick    ov - 5. Juni 2015